Książka Scham Tilo Marschner

Scham

Eine Gesellschaftsdiagnose

Język: Niemiecki
Oprawa: Miękka
Die Scham ist nicht verschwunden. Sie hat ihre Stellung in der gesellschaftlichen Architektur gewech...

Informacje o książce

Język
Niemiecki
Oprawa
Książka - Miękka
Data wydania
2026
strony
210
EAN
9798199415019
Enbook ID
52750690
Waga
214
Wymiary
127 x 203 x 11

Pełny opis

Die Scham ist nicht verschwunden. Sie hat ihre Stellung in der gesellschaftlichen Architektur gewechselt.

In den letzten zehn Jahren hat sich eine alte menschliche Empfindlichkeit aus dem privaten Innenraum, in den die moderne Gesellschaft sie über Jahrhunderte abgeschoben hatte, in einen öffentlichen Raum zurückbewegt, der nie schläft. Eine ungeschickte Pointe einer privaten Person reicht für ein globales Lehrstück. Ein zehn Jahre alter Post taucht zum Bewerbungsgespräch wieder auf. Ein falsch betontes Wort wird zur Pressemeldung. Der digitale Pranger ist keine Metapher. Er ist eine Infrastruktur mit Geschäftsmodell.

Was die soziale Plattform der Scham antut, ist eine Verschiebung. Sie verwandelt eine innere Instanz, die das Subjekt selbst regulierte, in ein äußeres Steuerungs-Werkzeug, das durch Sichtbarkeit, Vergleich und Archivierung funktioniert. Die Empörung ist dabei kein Schaden. Sie ist eine Ressource. Eine Gesellschaft, in der die Empörung eine Ressource ist, produziert mehr Beschämungs-Episoden, weil sie an ihnen verdient.

Tilo Marschner sortiert diese Verschiebung in zwölf Etappen. Was Scham vom Schuld-Affekt unterscheidet. Wie der Blick des Anderen sich verallgemeinert, wenn er aus einer Infrastruktur kommt. Warum der Pranger das Dorf nicht verlassen hat, sondern den Maßstab gewechselt. Welche Sprache die Plattform sagbar macht und welche sie stillschaltet. Warum Körperscham im Bilderozean kein Rückschritt der Aufklärung ist, sondern ihr Folgekapitel. Warum die schamlose Gesellschaft keine freiere Gesellschaft ist.

Das Buch arbeitet entlang der Standardliteratur. Bernard Williams und Martha Nussbaum als philosophische Anker. Richard Sennett über den Verfall des öffentlichen Lebens. Byung-Chul Han über die Transparenzgesellschaft und den Zwang zur Sichtbarkeit. Erving Goffman über die Selbstinszenierung. Eva Illouz über die Industrie der Gefühle. Jon Ronson über den ersten Lehrfall des digitalen Prangers. Eine Sortierung, keine Therapie.

Eine ruhige, säkular-aufklärerische Beschreibung. Für Leserinnen und Leser, die wissen wollen, wem die eigene Empörung nützt, bevor sie sie äußern. Für Skeptikerinnen und Skeptiker, die mit Untergangs-Erzählungen und Coach-Sprech nichts anfangen können. Für Menschen, die wissen wollen, in wessen Interesse hier eigentlich eine Empfindlichkeit mobilisiert wird, die ihnen selbst gehört.

Band 3 der Reihe Tilo Marschner: Gegenwartsdiagnosen. Nach Band 1 Algorithmus über die digitale Macht und Band 2 Unfreiheit über ihre politische Form nimmt der dritte Band die affektive Tiefenschicht in den Blick.