Johann Gustav Droysen: Grundriss der Historik. Grundlegung der modernen Geschichtstheorie
Erstdruck: Leipzig, Verlag von Veit und Comp., 1868.
Neuausgabe.
Herausgegeben von Karl-Maria Guth.
Berlin 2026.
Der Text dieser Ausgabe wurde behutsam an die neue deutsche Rechtschreibung angepasst.
Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage.
Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt.
Henricus - Edition Deutsche Klassik GmbH
Wie wird aus Vergangenheit Geschichte? Johann Gustav Droysen gibt darauf eine Antwort, die bis heute zu den Grundlegungen moderner Geschichtstheorie zählt. Sein Grundriss der Historik bestimmt die Geschichtswissenschaft als eigenständige Erkenntnisform: Sie will menschliche Handlungen, Zeugnisse und Überlieferungen nicht nach dem Muster der Naturwissenschaft erklären, sondern in ihrem geschichtlichen Zusammenhang verstehen.
Droysen zeigt, dass die Vergangenheit selbst nicht mehr greifbar ist. Was bleibt, sind Spuren: Quellen, Überreste, Denkmäler, Erinnerungen. Aus ihnen gewinnt der Historiker kein bloßes Abbild dessen, was war, sondern ein geprüftes, gedeutetes und dargestelltes Gegenbild des Vergangenen. Darum gliedert Droysen die historische Arbeit in Heuristik, Kritik, Interpretation und Darstellung - in das Finden, Prüfen, Verstehen und Formen geschichtlicher Erkenntnis.
Der Grundriss der Historik ist ein Klassiker für alle, die wissen wollen, was historische Forschung eigentlich leistet. In knapper, systematischer Form entwirft Droysen ein Organon des geschichtlichen Denkens und zeigt, weshalb Geschichte mehr ist als Chronik, Quellenkritik oder Erzählkunst: Sie ist die wissenschaftliche Selbstverständigung des Menschen über seine gewordene Welt.