Kein Soziologe wird so oft zitiert, ohne dass jemand seinen Namen kennt, wie Georg Simmel. Wer über die Reizüberflutung der Großstadt spricht, über den flüchtigen Blick zwischen Fremden auf der Straße oder darüber, dass Gesellschaft aus Beziehungen besteht und nicht aus Dingen, bewegt sich in Bahnen, die er als Erster gezogen hat, ohne es zu wissen.
Dieses Buch folgt Simmel von seiner Geburt an der belebtesten Kreuzung Berlins über volle Hörsäle, obwohl ihm die Universität jahrzehntelang den Lehrstuhl verwehrte. Es erklärt, warum das Geld für ihn keine Frage von Preis und Wert war, sondern eine soziale Form, die den modernen Menschen bis ins Nervensystem verändert, wie die Großstadt aus dem Gemüts- einen Verstandesmenschen macht, und was sein Aufsatz über den Fremden, der nah ist und doch nie ganz dazugehört, über uns verrät.
Ausgewogen und quellengenau, ohne Verklärung und ohne Verkleinerung: eine Einführung in den Gründer, dessen Blick fürs Kleinste unsere Gegenwart schärfer trifft als viele Diagnosen von heute.