Felix ist zwanzig Jahre alt, studiert Literatur im zweiten Semester und bewohnt eine kleine Wohnung am Rand der Universitätsstadt. Er schreibt gerne, schwimmt leidenschaftlich und hat einen engen Freundeskreis, der für seine etwas schrägen Ideen bekannt ist. Zu seinem Geburtstag überreicht ihm seine beste Freundin Josie gemeinsam mit den anderen eine kleine, silberne Kapsel in einem winzigen Schachtelchen. Die Aufschrift auf dem handgeschriebenen Zettel ist kurz und präzise: "Nimm sie. Nur für einen Tag."
Felix hält das Geschenk zunächst für einen Witz. Die Pille soll ihn angeblich für genau vierundzwanzig Stunden in ein Mädchen verwandeln. Das klingt nach einem schlecht geskripteten Science-Fiction-Film, und er lacht diejenigen aus, die das ernsthaft für eine gute Idee halten. Doch nachts, als er allein in seiner Wohnung sitzt und die kleine Kapsel zwischen den Fingern dreht, steigt eine leise, hartnäckige Neugier in ihm auf. Was wäre, wenn es wirklich funktionieren würde?
Am nächsten Morgen schluckt er die Pille - und die Welt verändert sich. Er blickt in den Spiegel und sieht ein Mädchen: lange blonde Haare, ein fremdes Gesicht, das doch irgendwie seines ist. Rote Jeans-Shorts, ein ärmelloses Top - Josie hat sogar Kleidung bereitgelegt. Und dann beginnt ein Tag, wie Felix ihn sich niemals hätte vorstellen können.
Er - jetzt sie - geht ins Freibad. Der einteilige Badeanzug sitzt eng. Die Blicke der anderen sitzen noch enger. Felix erlebt, wie es sich anfühlt, beobachtet, bewertet und angemacht zu werden. Er erlebt aber auch etwas anderes: die Leichtigkeit des Wassers, die Sonne auf der Haut und ein spontanes Gespräch mit einer jungen Frau namens Lena, die genauso allein hier liegt wie er - und die nicht ahnt, dass die Person, mit der sie redet, eigentlich ein Mann ist.
Zurück an der Uni wartet der nächste Schock: ein Seminar, in dem er ein Referat halten soll - als sich selbst, aber mit dem falschen Gesicht. Ein Professor, der ihn nicht erkennt. Kommilitonen, die mit ihm flirten. Und mittendrin das Gefühl, dass dieser Tag mehr aufdeckt, als er jemals erwartet hatte.
Als die Wirkung der Pille nachlässt und Felix am nächsten Morgen wieder er selbst ist, hat er eine Geschichte im Kopf - und etwas in ihm ist stiller, klarer, verändert. Nicht weil er ein Mädchen war. Sondern weil er sich selbst begegnet ist.