Mira kennt Hof Lindenrain fast auswendig: die Stallgasse, den Matsch, die Putzkästen, die Regeln und Liora - die dunkelbraune Stute mit der schiefen Blesse, die Menschen genauer anschaut, als manchen lieb ist.
Als Samira neu in Miras Klasse kommt, merkt Mira sofort: Dieses Mädchen braucht einen Ort, an dem man besser atmen kann. Also lädt sie Samira mit auf den Hof ein. Nur gucken. Nur kurz. Nur schön soll es sein.
Doch Samira ist kein Projekt. Sie will kein Mitleid, keine heimlichen Geschenke und keine Freundschaft, bei der andere über sie bestimmen. Und Liora ist kein Pferd, das sich einfach benutzen lässt, damit Menschen sich gut fühlen. Sie bleibt stehen, wenn sie will. Sie geht, wenn es ihr zu viel wird. Und sie sagt früher Nein als manche Menschen.
Zwischen Schulhof, Reiterstübchen, Stallarbeit, falschen Blicken und echten Entschuldigungen entsteht langsam etwas, das vorsichtiger ist als ein Versprechen - und stärker als ein Wunsch.
Denn manchmal bedeutet Freundschaft nicht, jemanden zu retten.
Manchmal bedeutet sie, genug Platz zu lassen, damit Vertrauen wachsen kann.
„Das Mädchen, das kein eigenes Pferd hatte" ist ein Kinderroman über Mira, Samira und Liora - eine Stute, die nicht jedem vertraut, aber genau dadurch zeigt, worauf es wirklich ankommt.
Ein Buch über Würde, Hinsehen, leise Stärke und die Frage, ob man etwas lieben kann, ohne es besitzen zu müssen.